Mit Bestürzung hat der Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden (BDK) auf den Vorfall in einer kieferorthopädischen Praxis in Erlangen reagiert. Nach Angaben der Polizei soll dort eine 14-jährige Patientin ihre behandelnde Kieferorthopädin mit einem Messer bedroht haben, nachdem diese sich geweigert hatte, gegenüber den Eltern der Jugendlichen das Ende der kieferorthopädischen Behandlung zu bestätigen. Die Kollegin und ihre Mitarbeitenden blieben glücklicherweise unverletzt. 

Der BDK verurteilt jede Form von Gewalt, Bedrohung und Einschüchterung gegenüber Beschäftigten im Gesundheitswesen aufs Schärfste. Seine uneingeschränkte Solidarität gilt der betroffenen Kollegin und ihrem gesamten Praxisteam.

„Dass eine Kieferorthopädin bedroht wird, weil sie ihrer fachlichen Verantwortung nachkommt und sich nicht unter Druck setzen lässt, macht uns fassungslos“, erklärt Dr. Hans-Jürgen Köning, 1. Bundesvorsitzender des BDK. „Unsere Kolleginnen und Kollegen und ihre Praxisteams stehen jeden Tag für die Gesundheit ihrer Patientinnen und Patienten ein. Sie müssen ihre Arbeit ohne Angst vor Beleidigungen, Drohungen oder gar körperlicher Gewalt ausüben können.“

Besonders erschreckend sei, dass eine derartige Eskalation nach den bisherigen Erkenntnissen von einer erst 14-Jährigen ausgegangen sein soll. „Wenn bereits Jugendliche glauben, eine medizinische Entscheidung mit einem Messer erzwingen zu können, müssen bei uns allen die Alarmglocken schrillen. Eine solche Verrohung dürfen wir als Gesellschaft nicht hinnehmen“, so Köning. Der Vorfall steht für den BDK zugleich exemplarisch für eine Entwicklung, die weit über die Kieferorthopädie hinausgeht: Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte, Pflegekräfte, medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte sowie andere Gesundheitsberufe erleben zunehmend Beleidigungen, Drohungen und Aggressionen in ihrem beruflichen Alltag.

Köning mahnt deshalb auch zu einem verantwortungsvollen gesellschaftlichen und politischen Umgang mit den Menschen, die die Gesundheitsversorgung täglich sicherstellen:

„Es wäre selbstverständlich falsch, politische Äußerungen mit einem solchen konkreten Gewaltexzess in einen ursächlichen Zusammenhang zu bringen. Aber Sprache prägt gesellschaftliche Wahrnehmung. Wenn Beschäftigte im Gesundheitswesen Respekt und Schutz benötigen, sollten gerade diejenigen, die an der Spitze unseres Staates stehen, diesen Respekt auch sprachlich zum Ausdruck bringen. Ärztinnen und Ärzte als ‚Nutznießer‘ des Gesundheitssystems zu bezeichnen, wie dies der Bundeskanzler jüngst getan hat, trägt aus unserer Sicht jedenfalls nicht dazu bei, die notwendige Wertschätzung für ihre Arbeit zu stärken.“

Die Pressemitteilung als PDF finden Sie hier.