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15 Jahre GBO/German Board of Orthodontics: Verbindung von Wissenschaft und Praxis in der Kieferorthopädie Als das German Board of Orthodontics/GBO v

15 Jahre GBO/German Board of Orthodontics:
Verbindung von Wissenschaft und Praxis in der Kieferorthopädie

 
Als das German Board of Orthodontics/GBO vor 15 Jahren, am 20. November 1998 gegründet wurde, konnte diese neue gemeinnützige Organisation bereits auf gutem Fundament aufbauen: Bereits fünf Jahre zuvor hatten sich Kieferorthopäden aus Wissenschaft und Praxis in einem eigenen Forum (IUK/Initiativkreis Umfassende Kieferorthopädie) zusammengeschlossen, um Erfahrungen und Erkenntnisse miteinander auszutauschen. Das Besondere: „Es ging uns explizit nicht um rein zahnmedizinisch-kieferorthopädische Themen“, sagt Dr. Gundi Mindermann, Vorsitzende des GBO, „sondern wir haben schon damals darauf geschaut, welchen Stellenwert die Kieferorthopädie auch in der Allgemeinmedizin hat. Disziplinen außerhalb unseres Kernfaches haben wir aktiv eingebunden.“ Solcherart Diskussionen führten nicht nur die Kieferorthopäden in Deutschland: „Im europäischen Ausland und in Übersee gab es bereits spannende ähnliche Diskussionen – auf der Ebene von nationalen ‚Boards’. Auch in den Zielvorstellungen unserer Arbeit lagen wir auf einer Ebene: Weiterentwicklung unseres Faches – und Qualitätsmanagement.“ Um im Kreis der weltweiten Boards anerkannt zu werden, galt es, hohe Anforderungen der Dachorganisation, des Internationalen Boards, zu erfüllen. Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke, stellvertretende Vorsitzende des GBO: „Bereits 2005 konnte ich unsere deutschen Zertifizierungskriterien bei einem Treffen der internationalen Boards während der Tagung der WFO/ World Federation of Orthodontists in Paris präsentieren. Vorweisen konnten wir unsere hohen Anforderungen an die Zertifizierung unserer Mitglieder. Dazu zählen beispielsweise der Besuch von Fortbildungsveranstaltungen, fachbezogene wissenschaftliche Aktivitäten, die Teilnahme an den traditionellen GBO-Jahreskongressen, die Präsentation eigener Behandlungsfälle und eine strukturierte Rezertifizierung. Wir haben für unser hohes Level viel Anerkennung erhalten, und wir dürfen selbstbewusst feststellen: Im internationalen Vergleich stehen wir mit unserem Konzept ziemlich gut da.“ Die internationale Anerkennung erhielt das German Board schließlich während der WFO-Tagung in Sidney im Jahr 2010.
 
Spezifische Fortbildung – Fokus „interdisziplinär“
Seit der Gründung vor 15 Jahren pflegt das GBO nicht nur internationale Kontakte, sondern bietet in Deutschland sehr spezifische Fortbildungen, die den ganzheitlichen interdisziplinären Ansatz der modernen Kieferorthopädie fokussieren. Dr. Mindermann: „Für die Praktiker ist das GBO eine ideale Begegnungsstätte, um nicht nur den Kontakt zur eigenen Universität zu beizubehalten, sondern darüber hinaus enge Kontakte zum fachlichen Austausch zu knüpfen. Die Praktiker sind mehr denn je an intensiver Fortbildung und innovativen Entwicklungen interessiert, und das Board bietet die Möglichkeit, Themen gemeinsam mit der Wissenschaft zu erarbeiten und für alle Kolleginnen und Kollegen anzubieten.“ Die Wissenschaft unterstreicht das ihrerseits: „Das ist auch für mich eine tolle Konstellation, diese optimale win win-Situation für Hochschullehrer und niedergelassene Kolleginnen und Kollegen“, sagt Professorin Kahl-Nieke. „Bei jeder Vorstandssitzung und bei den Konferenzen zur Gestaltung der Jahrestagung und des Programms zwischendurch, ebenso wie bei den Zertifizierungen, ergänzen wir uns perfekt.“
 
Die Weiterentwicklung der modernen Kieferorthopädie steht im Zentrum der Arbeit des GBO, und eines der Highlights ist die traditionelle Jahrestagung im Frühjahr, die hinsichtlich der Teilnehmernachfrage das Hotel schon oft an die Kapazitätsgrenze gebracht hat. Kahl-Nieke: „Das Besondere an der Tagung ist die nachhaltige wissenschaftliche Aufarbeitung von praxisrelevanten, interdisziplinären Themen, wie z.B. interdisziplinäre Frühbehandlung, Grenzfälle zwischen Kieferorthopädie und Kieferchirurgie, Interdisziplinäre Therapie bei CMD, Rund ums Trauma oder für nächstes Jahr Medizinische Erfolge in der Erwachsenen-Kieferorthopädie.“ Das Konzept hat mittlerweile eine auch bei den Teilnehmern willkommene Tradition – sowohl vom Programm her als auch vom Standort. Dr. Mindermann berichtet, dass bereits öfter über einen Location-Wechsel nachgedacht worden sei, da die hohe Teilnehmerzahl der Jahrestagung das Tagungshotel in Bonn an seine Kapazitätsgrenzen bringt – seitens der GBO-Mitglieder habe es aber ein deutliches Veto gegeben: „Der Standort ist einfach unglaublich beliebt!“ Auch das Konzept werde beibehalten. Die Jahrestagung biete eine sehr konzentrierte Fortbildung zu einem aktuellen Thema über zwei bis drei Tage mit hochkarätigen Referenten, oft aus sehr verschiedenen Disziplinen: „Im Rahmen des Kongresses werden bewusst viele verschiedene Aspekte rund um das Schwerpunktthema angesprochen und diskutiert, so wird der Stand des Wissens auf allen Ebenen immer aktualisiert. Die sich dabei entwickelnde enge Kommunikation zwischen den Referenten und den Teilnehmern ist einer der gewichtigsten Gründe für die hohe Akzeptanz des Jahreskongresses.“ Das käme den GBO-Mitgliedern sehr entgegen: „Sie sind in der Regel sehr fortbildungsinteressiert und leben für ihr Fach! Daher sind sie auch bereit, sich besonderen Anforderungen wie der GBO-Zertifizierung zu stellen. Sie tragen die Kieferorthopädie in Deutschland auch intensiv und enorm engagiert in die Öffentlichkeit.“
Für das Programm der zentralen Veranstaltung, der Jahrestagung, sind der Vorstand und der Beirat gemeinsam verantwortlich, darunter  gleichermaßen Repräsentanten aus Wissenschaft und Praxis. Professor Kahl-Nieke: „Wir initialisieren das Kernthema während der jährlichen Vorstandssitzung im April, bestimmen eine/-n Kongresspräsidentin/-en und denken den Ablauf schon einmal mit Themen und geeigneten Referenten durch. Der Präsident/die Präsidentin der Jahrestagung setzt dann die Ideen um, und diejenigen, die gute Vorschläge hatten, dürfen auch die Referenten organisieren. Es ist echtes Teamwork, wie in diesem Jahr: Herr Kollege Zimmer managte die Programmgestaltung in enger Absprache mit uns.“ Die Kieferorthopäden aus dem Bereich Praxis werden unter anderem durch Dr. Mindermann vertreten, die auch Vorträge bei Kongressen hält und neben intensiver Fortbildung auch den aktuellen Stand der Kieferorthopädie in renommierten internationalen Fachjournals verfolgt. An ihrem Beispiel wird deutlich, warum gerade für die Praktiker das GBO ein so reizvolles Angebot ist: „Meine Praxis liegt auf dem Land und erfordert daher das gesamte Spektrum der Kieferorthopädie. Patienten mit besonders komplexen Fehlstellungen haben häufig auf Grund der großen Entfernungen keine Chance, eine Universitätsklinik aufzusuchen. Daher habe ich schon früh die Zusammenarbeit mit einer Universität gesucht und aufgebaut. Vor einigen Jahren habe ich begonnen, solche besonderen Fälle aufzuarbeiten und für junge Kolleginnen und Kollegen – aus der Praxis für die Praxis – in Vorträgen zu präsentieren. Die kollegiale Zusammenarbeit im GBO und bei unseren Fortbildungen und Kongressen unterstützt solches Engagement perfekt.“
 
Stellt sich die Frage, ob die Arbeit der engagierten Kieferorthopäden im Deutschen Board auch auf das Internationale Board wirkt? Professor Kahl-Nieke: „Ja, das kann man so bestätigen. Während der alljährlichen amerikanischen Jahrestagung findet meist ein internationales Board-Meeting statt. Das ist eine gute Gelegenheit zum gegenseitigen Update. Das letzte große Symposium der Orthodontic Certifying Boards fand 2010 in Sydney während des letzten Kongresses der WFO statt. Unter anderem wurden dabei empfohlene Prüfungsstandards ausgetauscht und Richtlinien diskutiert.“
 
"Medizin durch Kieferorthopädie"

Nach dem Blick zurück und auf die Entwicklungen bisher bleibt noch der Blick nach vorn: Was steht seitens des GBO für die Zukunft auf dem Programm? „Wir wollen die Zahl der Zertifizierten zeitnah erhöhen und mögliche Hemmschwellen für Niedergelassene reduzieren“, sagt Professor Kahl-Nieke. Um dies zu erreichen, bietet das German Board inzwischen beispielsweise Patenschaften zwischen zertifizierten Mitgliedern und Zertifizierungsinteressierten an. „Unser politisches Ziel ist, dass eines Tages der zertifizierte Fachzahnarzt auch gesundheitspolitisch positiv auffallen wird. Da hat jemand über die vierjährige Weiterbildung hinaus auch noch Fälle unterschiedlicher Komplexität nach Behandlung aufbereitet und nachgearbeitet und sie einem unabhängigen Gremium vorgelegt sowie über das medizinische Vorgehen und das Ergebnis unter besonderer Berücksichtigung von Stabilitätskriterien und individueller Retentionsstrategie diskutiert.“ Das sei ein deutliches Qualitätskriterium, das auch für die Patienten eine Rolle spielt, wenn sie für die anstehende Behandlung eine kieferorthopädische Praxis auswählen. „Und wir möchten ein solches Qualitätskriterium auch nicht missen für unser Selbstverständnis der Medizin durch Kieferorthopädie. Das ist so ein Slogan, der mir gefällt und der für unsere fachzahnärztliche Zukunft von hoher Relevanz ist: Weil er die KFO auf den Punkt bringt bezüglich ihrer Wertigkeit in der Zahnmedizin und in der Medizin.“ Dazu habe sie auch noch einen Wunsch – über das Thema GBO hinaus: „Erlauben Sie mir als zukünftige Präsidentin der DGZMK auch für die vollständige Integration, also die Vollmitgliedschaft der DGKFO in der DGZMK zu werben. Auch dies ist für unsere zukünftige Tätigkeit unter dem Aspekt der umfassenden, interdisziplinäreren, fachzahnärztlichen Prävention und Therapie ein wichtiges Signal."
Der nächste Kongress wird diesen Aspekt der Wertigkeit der Kieferorthopädie in Zahnmedizin und Medizin besonders deutlich spürbar werden lassen. Dr. Mindermann: „Im Fokus steht im kommenden Jahr die Erwachsenenkieferorthopädie. Und es wird ein Novum geben: Erstmals wird das Programm durch einen Kollegen aus der Praxis zusammengestellt. Wir freuen uns sehr auf diese Jahrestagung – und ahnen schon jetzt: Auch diesmal wird das Hotel am Rhein wieder alles in Bewegung setzen müssen, um unseren großen lebendigen Kongress zu bewältigen!“
 
Infos: www.german-board.de

 
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