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Presseinformation der Initiative Kiefergesundheit e.V./IKG in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden/BDK vom 4. Juni 201

Presseinformation der Initiative Kiefergesundheit e.V./IKG
in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden/BDK vom 4. Juni 2013

4. Gemeinschaftskongress Kinder – Zahn – Spange: Kindlicher Bruxismus

Das Konzept des Gemeinschaftskongresses Kinder-Zahn-Spange/Der richtige Zeitpunkt ist derart erfolgreich, dass aus Kapazitätsgründen in diesem Jahr enorm viele Absagen an potentielle Teilnehmer erteilt werden mussten. Interessenten hatten sogar angeboten, auch einen Stehplatz für die Ganztagsveranstaltung zu akzeptieren. Mit über 250 Teilnehmern war der Veranstaltungssaal komplett ausgebucht. Die Veranstalter (Initiative Kiefergesundheit/IKG, Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden/BDK, Bundesverband der Kinderzahnärzte/BuKiZ und Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde/DGKiZ) planen derzeit eine Verlegung der Kongress-Reihe, um der Nachfrage entgegenzukommen.
Der Kongress, der traditionell unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Dr. Ralf J. Radlanski/Charité steht, hatte sich für das Programm 2013 am 27. April im Frankfurter MARITIM das Thema „Kindlicher Bruxismus“ gewählt – wie sich zeigte, durchaus eine Herausforderung an die Referenten: „Wir haben bei den Vorbereitungen gemerkt, dass zu dieser Thematik nur sehr wenige Veröffentlichungen vorliegen“, sagte Professor Radlanski bei der Kongress-Eröffnung. Um so mehr, wie sich zeigte, Erfahrungen in den Praxen. In Ihrem Grußwort aus dem Bereich Kinderzahnheilkunde sagte Sabine Bertzbach/DGK), dass das Thema meist über besorgte Eltern in die Praxen getragen werde, die von „störendem“ Knirschen ihres Kindes berichteten. Die Frage werde gestellt: Verwächst sich das? Und: Ist das normal? Dass Knirschen durchaus „normal“, ja sogar physiologisch sinnvoll sein kann, beantwortete Professor Radlanski mit Blick auf das natürliche Schädelwachstum: „Das Milchgebiss ist ein Abrasionsgebiss.“ Das Problem stelle sich mit dem Übergang zu den bleibenden Zähnen: „Dann müssen die Kinder damit aufhören! Wenn sie das Knirschen inzwischen gewöhnt sind, ist das gar nicht mehr so einfach.“ Für Bruxismus gebe es zwei Haupt-Ursachen: somatische – und psychische. Bei manchen Kindern zeigten sich Fehlstellungen, die das orale System zu ausgleichenden Manövern nötigten und korrigiert werden müssen. Eine Zahnfehlstellung könne auch den natürlichen Abrasionsprozess behindern. Auf der anderen Seite erlebe man bei immer mehr Kindern Stress, der zu Kompensationen des Körpers führe, auch im Bereich der Kiefer und der Zähne. Dass Stress nichts „Neues“ sei, daran erinnerte Dr. Gundi Mindermann, stellvertretende Vorsitzende der IKG und Bundesvorsitzende des BDK in ihrem Vortrag und wies auf entsprechende Stellen in der Bibel hin. Heute unterscheide man „Knirschen am Tag“ und „Knirschen in der Nacht“: Während letzteres oft physiologisch bedingt sei, bereite ersteres viele Sorgen und verlange meist nach therapeutischer Hilfe. Kinder seien oft enorm unter Druck und nicht wenige von ihnen durch Psychopharmaka ruhiggestellt: „Vergessen Sie nicht, das in der Anamnese gezielt abzufragen, und auch, ob das Kind in kinderpsychologischer Behandlung ist. Das wird ein großes Thema!“ Dies bestätigte PD Dr. Stefanie Feierabend/Freiburg aus dem Erlebensbereich der Kinderzahnheilkunde. „Wie gestört sind wir eigentlich alle“, fragte sie mit Blick auf neue Krankheitsdefinitionen, die von der Norm abweichendes Verhalten als „Gemütsrelationsstörung“ bezeichne – und therapeutisch abrechenbar mache. Der Bereich „normal“ sei viel breiter als die Medizin zulassen wolle. „Bei welchen oralen Situationen von Kindern sollten wir aber anfangen, uns Sorgen zu machen?“ fragte sie. Die stressenden Ursachen könnten in der Praxis meist nicht behoben werden, wohl aber die Folgen für das orale System gemildert.
Wie solcherart ungesunder Stress in der Kleinkindphase letztlich zu vergleichsweise vorzeitigem Tod führen kann, zeigte Prof. Dr. T. Ulrich Egle/Freiburg anhand einer Entwicklungskaskade, die bei vielen Tagungsteilnehmern auch persönliche Betroffenheit auslöste. Er erklärte die biologischen Auswirkungen von Gewalt und Vernachlässigungen auf das kindliche Immunsystem und wies hier auch auf die Problematik von Einelternfamilien als Risiko für die Kindergesundheit hin. Insbesondere die Hirnentwicklung von Kindern mit Gewalterfahrung sei betroffen: „Geschlagene Kinder haben Millionen Hirnzellen weniger – die können Stress deshalb nicht einfach runterregulieren!“ Daher steige die Stressempfindlichkeit und es zeige sich eine „unangemessene Reaktion“ auf eine Situation. Eine seelisch stark belastete Kindheit führe zur Bildung verkürzter Telomere, die sich auch im hohen Lebensalter noch zeigen und mit vorzeitigem Tod in Zusammenhang stehen. Für eine gesunde Kindesentwicklung sei Kuscheln auch neurobiologisch eine Wohltat. Er plädierte an die Kinderzahnärzte und Kieferorthopäden, als Multiplikatoren für Kinderschutz die Prävention zu verbessern: Dies minimiere auch Formen der Stressverarbeitung wie Bruxismus.
Dass Praxen auch über konkrete Möglichkeiten über die erzieherischen Hinweise hinaus verfügen, zeigte Prof. Dr. Rolf Hinz mit einer Übersicht über therapeutische Maßnahmen, mit denen knirschenden Kindern akut geholfen werden könne: „Eine psychologische Ausbildung haben wir ja nicht – aber eine zahnmedizinische!“ Studien zeigten, dass frühzeitige Intervention dazu beitrage, Manifestationen bei Erwachsenen zu vermeiden. Eltern müsse man auf Parafunktionen gezielt ansprechen: „Damit suchen die Patienten Sie nicht auf – Sie müssen erst das Bewusstsein dafür vermitteln.“
Als „oraler Schmerztherapapeut“ stellte sich Prof. Dr. Jens Christoph Türp MSc./Basel vor. Er fokussierte seinen Vortrag auf die Zusammenhänge von Bruxismus und CMD bei Kindern und Jugendlichen: „Wer bruxt, hat eine sechsmal höhere Wahrscheinlichkeit, eine CMD zu entwickeln.“ Befund und Befinden sei oft nicht kongruent, für eine therapeutische Intervention sei die Schmerzbelastung des Kindes relevanter als mögliche Geräusche im Kiefergelenk. Der Leidensdruck bestimme die Therapie – eine Abweichung von der Norm allein indiziere kein ärztliches Einschreiten. Zeige sich allerdings eine Entwicklung mit ungünstigem Verlauf, die zu Schmerzen führen werde, sei eine Intervention sinnvoll. Er warnte vor einer „Lieblingstherorie zur Ursache von CMD“ und appellierte an die Einsicht, dass nicht alle Störungen behandelt werden müssten.
Bei den ausführlichen Podiumsdiskussionen mit Referenten und Teilnehmern wurde Bedarf nach weitergehender Praxis-Information deutlich – die Veranstalter versprachen, auch zu diesem Kongress wieder einen „Praxis- und Patienten-Ratgeber“ zu erstellen und zu veröffentlichen.
BU-Vorschlag: Referenten und Veranstalter des Gemeinschaftssymposiums Kinder-Zahn-Spange 2013 zum Thema „Kindlicher Bruxismus“ (von links, ohne Professor Rolf Hinz): Prof. Dr. T. Ulrich Egle, Sabine Bertzbach, PD Dr. Stefanie Feierabend, Prof. Dr. Jens Christoph Türp, IKG-Vorsitzende Dr. Ortrun Rupprecht-Möchel, Dr. Gundi Mindermann und Prof. Dr. Dr. Ralf. J. Radlanski

Für Presserückfragen: Birgit Dohlus, dental relations, T: 030 – 3082 4682, eMail: info@zahndienst.de,

 
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