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Demografie & Mundgesundheit: Kieferorthopädie wird auch Thema für Alterszahnheilkunde

Presseinformation des BDK / Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden vom 7. Oktober 2009

Demografie & Mundgesundheit: Kieferorthopädie wird auch Thema für Alterszahnheilkunde

Die fortschreitende Zahngesundheit der Bevölkerung in den mittleren Altersjahren stellt die Kieferorthopädie vor neue Aufgaben: Nicht nur Prothetik und Parodontologie sind mehr und mehr in der Alterszahnmedizin gefordert, sondern auch kieferorthopädische Maßnahmen zur Erhaltung oder Wiederherstellung von Funktion und Ästhetik. Probleme, die sich bei Zahnlosigkeit nicht stellten, werden bei wachsender Anzahl eigener Zähne im Alter zunehmend anspruchsvolle Lösungen verlangen. 

Die Aufgaben der Kieferorthopäden erstrecken sich von Prävention über Unterstützung anderer therapeutischer Maßnahmen bis zur Korrektur funktionsgestörter Bisslagen. Dr. Gundi Mindermann, 1. Bundesvorsitzende des BDK / Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden, listet Beispiele auf: "In höherem Alter, wenn die Kieferknochen Form und Festigkeit verlieren, drängt die Zunge oft die Zähne in eine funktionell ungünstige Lage und schafft so z.B. einen falschen Zusammenbiss in Form eines Überbisses.“ Auch die Ästhetik wird Unterstützung benötigen: Sind immer mehr eigene Zähne im Unterkiefer vorhanden, verschieben sie sich typischerweise gedrängt zusammen, Grund ist die Alterung des Menschen und die Form der Aufhängung der Zähne im Knochen. Folge: „Nicht nur die Hygiene wird erschwert, sondern oft ist auch die Funktion aus dem Lot.“ Bereits heute spielt die Kieferorthopädie eine nicht mehr wegzudenkende Rolle in der Implantologie: „Hier geht es beispielsweise durch achsengerechte Einstellung der begrenzenden Zähne um die Schaffung eines stabilen Platzangebotes.“ Auch in der Parodontologie ist die moderne Kieferorthopädie als junger, aber wichtiger werdender Bestandteil der Erwachsenenzahnheilkunde bereits angekommen, Dr. Mindermann: "Mehr und mehr werden Verfahren wie beispielsweise Extrusion und Intrusion, vor allem aber Aufrichtung von Zähnen zur Verbesserung von Hart- und Weichgewebeverhältnissen genutzt bzw. die korrekte Positionierung von Zähnen zur Verbesserung der Hygienefähigkeit und damit auch zur Prophylaxe von Parodontitiden. Hier stellen sich viele Aufgaben für unsere qualifizierte Wissenschaft - und für uns als Berufsverband, um die Kolleginnen und Kollegen fachlich auf diese Aufgaben vorzubereiten. Schliesslich sind Verfahren, wie wir sie in der Kinder- und Jugendbehandlung kennen, aufgrund vielfältig geänderter Voraussetzungen bei älteren Patienten in der Regel nicht 1 : 1 übertragbar."

Dass sich die DGKFO / Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie dieser Themenstellung durchaus bewusst ist und hier bereits auch viel Forschungsarbeit geleistet wird, berichtete Prof. Dr. Dr. Heinrich Wehrbein, Präsident der diesjährigen DGKFO-Jahrestagung, bei der Kongress-Pressekonferenz am 17. September 09  in Mainz: Er appellierte an die Zahnärzte, gesunde Zähne nicht durch Facetten zu korrigieren, die Hartgewebeverlust mit sich bringen, sondern gewebeschonend durch moderne, auch "unsichtbare" Verfahren der Kieferorthopädie: Mit Alignern und Lingualverfahren seien die Möglichkeiten der Kieferorthopädie für Erwachsene rasant gestiegen. Bei diesen Patienten sei nicht sichtbare Therapie gefragt, die die Kieferorthopädie heute anbieten könne. Forschungsbedarf bestehe allerdings noch hinsichtlich Langzeitstudien zur Gewebereaktion auf solcherart neue Verfahren. Die Grundlagenforschung sei gefordert, Beweise zum Thema Lebensqualität, Mundgesundheit und Kieferorthopädie zur Verfügung stellen – und sich den modernen Verfahren zu widmen: Derzeit mache sich beispielsweise die CAD CAM-Technologie auf den Weg, die Kieferorthopädie zu erobern. Allerdings fehle es noch an relevanten Studien, die
erwiesen, ob durch standardisierte Verfahren tatsächlich optimalere Ergebnisse erreichbar seien. Hier stehe die Wissenschaft der Praxis zur Seite, die sich oft zu kurzfristigen Investitionen gedrängt sehe – allerdings brauche Forschung Zeit, die oft durch aggressives Marketing unterlaufen werde.

Dr. Mindermann begrüßte die Offenheit der Wissenschaft für die Bedürfnisse der Praxis, der BDK werde sich der Thematik der Erwachsenen- und Alters-Kieferorthopädie seinerseits noch intensiver widmen und nehme Fortbildungsangebote seitens der Wissenschaft gern auf. Bereits jetzt werde im Rahmen der beliebten „Young Orthodontics“-Reihe dem Thema Lingualtherapie aufmerksame Zeit gewidmet – hier werde das Konzept demnächst auch Facetten zum Thema Kieferorthopädie für erwachsene und ältere Patienten integrieren und vor allem auch der interdisziplinären Kieferorthopädie im fortgeschrittenen Alter Rechnung tragen.

Für Rückfragen:
Dr. Gundi Mindermann über Birgit Dohlus/dental relations, Tel: 030 / 3082 4682, eMail: info@zahndienst.d

 
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